Roll-up gestalten: Drei Sekunden, drei Elemente
Drei Sekunden Aufmerksamkeit, drei Elemente Inhalt – mehr verträgt ein Roll-up auf der Messe nicht. Was ins obere Drittel gehört, wie Druckdaten reklamationssicher werden und welche fünf Fehler am häufigsten kosten.

Drei Sekunden Aufmerksamkeit, drei Elemente Inhalt – mehr bekommt ein Roll-up auf der Messe nicht. Logo, Headline und Subline im oberen Drittel: das ist der Pflichtteil. Alles Weitere entscheidet sich an drei Stellschrauben – ein klares Layout, technisch saubere Druckdaten und ein Material, das zur Einsatzhäufigkeit passt. Der Rest dieses Leitfadens zeigt Format, Layout, Druckdaten und die Fehler, die Reklamationen auslösen.
Wie gestaltet man ein Roll-up?
Ein professionelles Roll-up entsteht in fünf Schritten. Die Reihenfolge ist entscheidend, weil jeder Schritt die Entscheidungen des nächsten festlegt:
- Format und Einsatzort wählen. Standard 85×200 cm oder Premium 100×200 cm, Indoor oder Outdoor.
- Layout für das obere Drittel entwerfen. Headline und Logo müssen aus 3 Metern lesbar sein.
- Druckdaten korrekt anlegen – 100 – 150 dpi, CMYK mit Material-Profil, 10 mm Sicherheitsabstand, PDF/X-4.
- Material und Mechanik wählen. PVC-, PET- oder Stoffbanner mit Eco-, Standard- oder Premium-Mechanik.
- Druckdaten-Freigabe. Probedruck oder Pre-Flight-Check, dann an die Druckerei übergeben.
Wofür ein Roll-up sich lohnt. Und wofür nicht
Ein Roll-up ist ein mobiler Blickfang: in wenigen Minuten aufgebaut, in einer Tasche transportiert, immer wieder einsetzbar. Das macht das Roll-up-Banner zum Standard-Werbemittel auf Messen, in Foyers, bei Empfängen, in Schaufenstern und an Verkaufsständen.

Sinnvoll ist er, wenn Sie eine kompakte Botschaft an wechselnden Orten zeigen wollen – das Logo, ein Angebot, ein Slogan. Im Rahmen eines durchdachten Messeauftritts ist er fast unverzichtbar: als Begrüßung am Standeingang, zur Markierung von Themenzonen oder als visueller Anker neben der Messewand.
An seine Grenzen kommt das Roll-up, sobald Sie viel Information auf engem Raum unterbringen müssen oder dauerhaft in Innenräumen ein hochwertiges Markenstatement setzen wollen. Dafür sind großformatige Wandprints, Lightboxes oder Messewände die bessere Wahl. Wenn die Botschaft kompakt auf die Hand passen soll, ist der Flyer das passendere Werbemittel. Geht es um großflächige Fernwirkung im öffentlichen Raum, ist das Plakat das richtige Format.
Typische Einsatzbereiche
- Messen und Veranstaltungen. Mobiler Standauftritt, Themenmarkierung, Produktwerbung.
- Empfangsbereiche und Foyers: zur Begrüßung, für Aktionshinweise und Saisonkampagnen.
- Wofür sonst noch? Tag der offenen Tür, Hausmessen, Roadshows – überall, wo Sie an wechselnden Orten schnell präsent sein müssen.
- Verkaufsförderung im Handel. Aktionsplatzierung, Produktneuheiten, Preisaktionen.
Format und Größe. Die wichtigsten Standards
Roll-ups (oft auch „Rollup“ geschrieben) sind in vielen Größen verfügbar, aber drei Formate decken über 90 % der Anwendungsfälle ab. Die Wahl bestimmt Sichtbarkeit, Mobilität und Preis.
85×200 cm. Das Standardformat
Das klassische Roll-up: passt durch fast jede Tür, transportierbar in einer Tragetasche, inklusive Mechanik und Druck typischerweise 80 – 150 € (Eco) bzw. 180 – 350 € (Standard). Für Messen, Empfänge und Pop-up-Aktionen ist das die richtige Wahl, wenn Sie nichts grundlegend anderes wollen.
100×200 cm. Mehr Sichtbarkeit, höhere Kosten
15 Zentimeter mehr Breite klingen wenig, machen aber visuell viel aus. Besonders wenn das Roll-up neben einer Messewand oder mehreren anderen Werbemitteln steht. Preislich liegt es 30 – 50 % über dem Standardformat. Empfohlen, wenn Sie zwischen vielen Mitbewerbern auffallen wollen oder das Roll-up als Einzelstück (ohne Messewand) auftreten muss.
Sonderformate: XL, Double, Tisch-Roll-up
- XL-Roll-up (150×200 cm und größer). Als Hingucker oder Hintergrund für Foto- und Videoaufnahmen, aber sperrig im Transport.
- Double-Roll-up. Beidseitig bedruckt, ideal an Durchgängen oder als Raumteiler.
- Tisch-Roll-up (40×60 cm bis 60×80 cm). Für Counter, Empfangstresen, kleinere Verkaufsstände.
Layout-Regeln: Was im oberen Drittel stehen muss
Das wichtigste Prinzip beim Roll-up-Design: Die Headline gehört ins obere Drittel. Die unteren 50 – 70 cm sind auf Messen meist verdeckt – Stehtische, Personen und Theken stehen davor. Wer dort die zentrale Botschaft platziert, verschenkt sie. Das Logo darf hingegen durchaus unten sitzen, als Absender, nach dem der Betrachter ohnehin erst sucht, wenn die Botschaft gewirkt hat.
Headline-Hierarchie. Was in drei Sekunden wirkt
Ein Roll-up hat drei Sekunden, um zu wirken. In dieser Zeit erfasst der Betrachter höchstens drei visuelle Elemente. Diese drei sind die Pflicht:
- Logo. Als Absender, oben oder am unteren Rand, nicht als Eyecatcher.
- Headline / Kernbotschaft. Das größte Element, im oberen Drittel, idealerweise eine knappe Aussage in 3 – 7 Wörtern.
- Subline oder USP. Eine konkretisierende Zeile, mittlere Größe, direkt unter der Headline.
Alles weitere – Produktbild, Aufzählung, QR-Code, Kontaktdaten – ist Beiwerk. Diese drei klar setzen, den Rest bewusst zurücknehmen – damit steht das Wesentliche.
Lese-Distanz und Schriftgrößen
Faustregel für Großformat: 1 cm Schrifthöhe pro Meter Leseabstand. Für 3 Meter Lesedistanz braucht es mindestens 3 cm Großbuchstaben. Das entspricht ungefähr 80 pt. Für die Subline reichen 30 – 40 pt, für Fließtext 24 – 28 pt. Alles darunter wird auf Distanz unleserlich.
- Headline: 80 – 120 pt
- Subline: 30 – 40 pt
- Fließtext und Kontaktdaten: 24 – 28 pt
- Mindestschriftgröße: 18 pt. Darunter wird es nur noch dekorativ.
QR-Code statt langer Texte
Was Sie nicht in drei Sekunden sagen können, gehört nicht aufs Roll-up, sondern auf eine Landingpage hinter einem QR-Code. Standardlösung mit zwei Vorteilen: weniger visueller Lärm auf dem Roll-up, dazu Tracking-Möglichkeiten für die Auswertung.

Druckdaten richtig anlegen
Die meisten Reklamationen bei Roll-ups gehen nicht auf das Layout zurück, sondern auf falsch angelegte Druckdaten. Die folgenden vier Punkte sind Pflicht.
Auflösung – 100 – 150 dpi reichen
Roll-ups werden aus 1 – 4 Metern betrachtet, nicht aus 30 cm. Höhere Auflösungen als 150 dpi bringen sichtbar nichts, blasen aber die Datei auf. Bilder bei Originalgröße rechnen: Ein Foto, das 85 cm breit gedruckt wird, sollte 100 – 150 dpi auf dieser Endgröße haben (also rund 3.350 – 5.000 px Breite). Hochskalierte Smartphone-Schnappschüsse erkennt man auf dem Druck sofort an matschigen Kanten.
Farbmodus CMYK statt RGB
Druck ist CMYK. Bildschirme zeigen RGB. Wird in RGB angelegt und nicht konvertiert, drohen Farbverschiebungen – kräftige Blau- und Grüntöne wirken im Druck oft stumpfer als am Monitor. Das richtige ICC-Profil hängt vom Material ab: Großformatdrucker liefern in der Regel ein eigenes Material-Profil mit. Wenn das nicht vorhanden ist, ist PSO Coated v3 (FOGRA51) für PVC- und PET-Banner der sauberere Fallback als das ältere ISO Coated v2 (FOGRA39), das eigentlich für gestrichenes Offset-Papier gedacht ist. Beide kostenlos verfügbar bei eci.org. Im Zweifel die Druckerei vor der Datenanlage fragen.
Beschnitt, Sicherheitsabstand und Mechanik-Zonen
- Beschnitt: 0 – 2 mm umlaufend reichen für Roll-ups. Großformat wird auf Rolle gedruckt und exakt zugeschnitten – die 3 mm aus dem Akzidenzdruck sind hier überflüssig, schaden aber nicht.
- Sicherheitsabstand: 10 mm Innenrand zum Endformat. Wichtige Elemente (Logo, Headline) nicht näher an den Rand legen.
- Untere Klemmleiste: Die unteren 10 – 15 cm des Drucks verschwinden in der Mechanik. Kein wichtiger Inhalt dorthin.
- Obere Klemmleiste: Zusätzlich 2 – 4 cm oben unter der Aufhängung – wird in der Praxis gerne vergessen.
Datei-Format PDF/X-4
Für Großformat ist PDF/X-4 der Standard: Transparenzen bleiben live, Farbmanagement mit eingebettetem ICC-Profil. Schriften werden eingebettet, Sonderfarben in CMYK gewandelt. PDF/X-1a ist die ältere Variante mit reduzierten Transparenzen – nur verwenden, wenn die Druckerei das explizit verlangt. Native InDesign- oder Illustrator-Dateien werden zwar oft akzeptiert, sind aber fehleranfällig.
Material und Mechanik. Was hält, was wackelt
Roll-ups gibt es in drei Qualitätsstufen – der Unterschied liegt vor allem in der Mechanik und im Banner-Material.
- Eco-Roll-up (PVC-Banner, ca. 440 g/m²). Einfache Aluminium-Mechanik, leichte Standfüße, brauchbar für gelegentlichen Einsatz – kippt aber schneller und nutzt sich nach 10 – 20 Auf- und Abbauten ab.
- Standard-Roll-up (PVC oder PET, ca. 510 g/m²). Stabilere Mechanik, ausziehbare Füße, austauschbares Druckbild. PET ist reißfester und farbstabiler als PVC. Der Sweet Spot für die meisten Anwendungen.
- Premium-Roll-up (Stoff/Polyester, ca. 210 g/m²). Schwerere Bodenplatte, sauberer Stoffbanner statt PVC: matter Look ohne Spiegelungen, kein Curling an den Rändern, Komponenten halten 5+ Jahre. Die Mehrkosten lohnen sich, sobald das Roll-up häufig im Einsatz ist und die Marke Hochwertigkeit signalisieren soll.
Für Outdoor-Einsatz gibt es spezielle Modelle mit wassergefülltem Standfuß oder Bodenanker. Standard-Roll-ups kippen schon bei mäßigem Wind.
Die fünf häufigsten Fehler beim Roll-up-Design
- Headline im unteren Drittel. Die untere Hälfte ist auf Messen meist verdeckt. Headline und USP gehören ins obere Drittel; das Logo darf als Absender unten sitzen.
- Zu viel Text. Aus 3 Metern Entfernung bleiben drei Sekunden und drei Elemente, mehr nicht. Lange Aufzählungen und Fließtext werden ignoriert.
- Schriften zu klein. Unter 24 pt verliert man jeden, der nicht direkt davorsteht. Mindestschriftgröße im Layout konsequent prüfen.
- Bilder zu klein angelegt. Ein Foto mit 800 px Breite, auf 85 cm gestreckt, wird sichtbar pixelig. Originalgrößen prüfen, notfalls Stock-Bild austauschen.
- RGB-Farben oder fehlender Beschnitt. Vor dem Versand als PDF/X-4 exportieren und nochmal öffnen, ob alles passt.
Fazit: Vom Briefing zum fertigen Roll-up
Mehr als ein paar Sekunden Aufmerksamkeit bekommt ein Roll-up auf der Messe nicht – und mehr braucht es auch nicht, wenn das obere Drittel sitzt, die Druckdaten sauber sind und das Material zur Einsatzhäufigkeit passt. Den Rest erledigt das Layout.
Als Aussteller, Veranstalter oder KMU mit regelmäßigem Roll-up-Bedarf lohnt sich der Blick aufs Ganze: nicht als Einzelstück planen, sondern als Teil eines konsistenten Auftritts – zusammen mit Messewand, Drucksachen und Standdesign. Die Wirkung kommt aus dem Zusammenspiel.
Sie planen einen Auftritt mit Roll-up und weiteren Werbemitteln? In meinen Werbetechnik-Leistungen finden Sie Konzept, Gestaltung und Druckdatenfreigabe im gleichen Auftrag. Konkrete Roll-up-Referenzen aus meiner Arbeit: das Fitgear24-Partnerprogramm, das Roll-up für Core Sensing und das Roll-up für Hera Markisen. Oder lesen Sie weiter, wie Sie einen Messeauftritt von A bis Z planen.
Häufige Fragen
Welche Druckdaten brauche ich für ein Roll-up?
Roll-ups brauchen 100 – 150 dpi auf Originalgröße und CMYK-Farbmodus mit Material-Profil der Druckerei (Fallback: PSO Coated v3 / FOGRA51 für PVC- und PET-Banner). 0 – 2 mm Beschnitt umlaufend und 10 mm Sicherheitsabstand zum Endformat. Datei als PDF/X-4 mit eingebetteten Schriften liefern (PDF/X-1a nur auf Anforderung). Untere 10 – 15 cm und obere 2 – 4 cm verschwinden in der Mechanik – dort gehört kein wichtiger Inhalt hin.
Wie groß muss die Headline auf einem Roll-up sein?
Faustregel: 1 cm Schrifthöhe pro Meter Leseabstand. Für eine Lesedistanz von 3 Metern brauchen Sie mindestens 3 cm Großbuchstaben. Das entspricht etwa 80 pt. Für die Subline reichen 30 – 40 pt, für Kontaktdaten 24 – 28 pt. Mindestschriftgröße im Layout: 18 pt.
Was kostet ein Roll-up inklusive Gestaltung?
Ein einfaches Roll-up (Eco-Mechanik plus Druck) kostet 80 – 150 €, ein Standard-Roll-up 180 – 350 €, ein Premium-Roll-up mit Stoffbanner 350 – 600 €. Die Gestaltung durch einen Grafikdesigner liegt typischerweise bei 250 – 600 € je nach Aufwand und ob Bildmaterial neu erstellt werden muss. Wer sein Corporate Design bereits hat, zahlt am unteren Ende.
Wie lange dauert die Gestaltung und Lieferung?
Die Gestaltung selbst braucht bei vorhandenem Briefing und Corporate Design 3 – 5 Werktage. Druck und Versand kommen mit 5 – 10 Werktagen dazu, Express-Optionen verkürzen das auf 24 – 48 Stunden gegen Aufpreis. Wer ein Roll-up für eine Messe oder Veranstaltung braucht, sollte mindestens drei Wochen Vorlauf einplanen.





